10. UN Forschungskolloquium

“Die Vereinten Nationen und Ressourcen”

von Wiebke Staff

Vom 8. bis 10. Oktober 2020 fand das nunmehr 10. jährliche Forschungskolloquium der AG Junge UN-Forschung in der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen statt. In diesem Jahr war das Kolloquium zu Gast an der Ruhr-Universität Bochum, deren Institute für Friedenssicherungsrecht und Humanitäres Völkerrecht sowie für Entwicklungsforschung und Entwicklungspolitik das Forschungskolloquium mit ausrichteten.

Rund 15 Teilnehmer*innen diskutierten Fragen rund um das Thema „Die Vereinten Nationen und Ressourcen“ und beleuchteten die Rolle von Ressourcen materieller und immaterieller Natur für die Stabilität der Vereinten Nationen sowie des globalen Ordnungsrahmens und des Friedens zwischen Staaten wie auch für Staaten selbst. Dabei spielten sowohl „klassische“ Ressourcen wie Geld, Arbeitskraft, Bodenschätze, Land, Wasser, aber auch Wissen, Rechte und Vertrauen eine Rolle. Verschiedenste Akteure, von Staaten über internationale Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen zu transnationalen Unternehmen und Einzelpersonen wurden in den Blick genommen.

Darüber hinaus stand das Forschungskolloquium (auch aus praktischen Gründen) durchaus im Zeichen der Covid-19-Pandemie. Der Einführungsvortrag von Prof. Dr. Wilhelm Löwenstein untersuchte die unterschiedlichen wirtschaftlichen Auswirkungen der Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung im globalen Norden und im globalen Süden. Während die von Seiten der verschiedenen Regierungen ergriffenen Maßnahmen sich weitestgehend ähneln (Schließung von Geschäften, Schulen, Kultureinrichtungen, Ausgangsbeschränkungen etc.), sind die Auswirkungen aufgrund der unterschiedlichen Ausgangsbedingungen äußerst unterschiedlich: Die absolute Armut dürfte sich im globalen Süden verschärfen, eine wirtschaftliche Erholung langsamer voranschreiten als im Norden. Prof. Dr. Pierre Thielbörger betrachtete in seinem Einführungsvortrag mögliche Auswirkungen der Pandemie auf das Human Rights Due Diligence Framework. Rufen von Unternehmen nach einer Reduktion ihrer Verpflichtungen während der Pandemie stehen Ansätzen gegenüber, nach denen, parallel zur verstärkten Verpflichtung von Unternehmen in von Konflikten betroffenen Gebieten, aufgrund der geschwächten Leistungsfähigkeit von Staaten und des erhöhten Risikos für Menschenrechtsverletzungen in einer Pandemie ebenfalls verschärfte Pflichten gelten sollen.

Das erste Panel beschäftigte sich mit Fragen des Begriffs der Ressourcen sowie ihrer (internationalen) Verwaltung. Albert Denk stellte drei dem Begriff der Ressource zugrundeliegende Narrative vor: die Vermarktwirtschaftlichung, einen eurozentrisch geprägten Reduktionismus sowie einzelstaatliche Partikularinteressen. Aufgrund des äußerst weiten Verständnisses des Begriffs der Ressource, überlegte er, auch die Nachhaltigkeitsagenda selbst als Ressource zu betrachten und welche Rollen dann verschiedenen Akteuren zukommen würden. Im Hinblick hierauf stellte er die Frage, ob der Begriff der Ressource selbst mittlerweile als leerer Signifikant betrachtet werden könne oder sogar müsse. Salman Khan analysierte Status, Rolle und Legitimität der International Seabed Authority als einer internationalen Entität, die für die Verwaltung „klassischer“ Ressourcen in einem besonderen Bereich, nämlich dem Meeresboden als einem gemeinsamen Erbe der Menschheit, gegründet wurde. Er stellte die (geplante) Arbeitsweise der ISA vor, erläuterte den zugrundeliegenden rechtlichen Rahmen und deckte Problembereiche zwischen diesem Rahmen und dem Erwartungshorizont der Staatengemeinschaft auf.

Die Ressource Geld stand als nächstes im Fokus. Katharina Kuhn untersuchte die Rolle der Vereinten Nationen im Bereich weltweiter Steuererhebung und -abkommen. Sie haben dort bisher keine großen Anstrengungen unternommen, allerdings wird die Dominanz der OECD und ihrer Mitgliedsländer in Verhandlungen über Steuerabkommen gerade von Entwicklungsländern als problematisch wahrgenommen. Die Vereinten Nationen als Forum böten ihnen verschiedene Vorteile, darunter Teilnahmemöglichkeiten, die Bündelung von Kompetenzen, möglicherweise auch den Ausgleich von Kräfteungleichgewichten. Auf der anderen Seite besteht die Gefahr, dass aufgrund der Vielzahl beteiligter Staaten lediglich der kleinste gemeinsame Nenner am Ende übrigbleibt. Vanessa Bliecke wandte sich sodann den im Investitionsschutzrecht bestehenden Spannungsfeldern zu: Während ausländische Investitionen auf der einen Seite zu einer nachhaltigen Entwicklung und damit auch zum Ressourcenschutz beitragen können, kann aber auch der staatliche Schutz (natürlicher) Ressourcen mit Investitionsschutzverträgen kollidieren. Neue Regelungen sollen diesen Konflikt auflösen, verlagern ihn aber oft nur auf den Gaststaat. Das Investitionsschutzrecht hat zwar durchaus Potential, auch Menschenrechte zu stärken, bleibt aber bisher dahinter zurück. Auch die Rolle der Vereinten Nationen ist momentan noch eher klein, könnte aber im seit einigen Jahren laufenden Reformprozess an Wichtigkeit gewinnen.

Der Frage, wie Land als Ressource zu sehen ist, widmeten sich Robin Ramsahye in einem Überblick über die Entwicklungen in Bezug auf Land und internationales Recht in den vergangenen Jahren und Rouven Diekjobst in einer Fallstudie von „lost States“ aufgrund des Meeresspiegelanstiegs. Robin stellte sich zunächst der Frage, warum Land so eine übergeordnete Bedeutung zugewiesen wird. Anschließend analysierte er die Rolle von Land im internationalen Menschenrechtsschutz. Anhand des Beispiels des Erwerbs großer Flächen durch (ausländische und transnationale) Unternehmen und dessen Einfluss auf die lokale Landwirtschaft zeigte er die Verknüpfungen einer Vielzahl gesellschaftlicher Themen, die alle in gewisser Weise an das Land gebunden sind. Rouven stellte anschließend die Relevanz von Land sowohl für Einzelpersonen als Basis ihres Lebens als auch für Staaten als Grundvoraussetzung ihrer Existenz nach Jellinek dar. Der durch den Klimawandel bedingte Anstieg des Meeresspiegels lässt Land verschwinden und bedroht damit sowohl Staaten, die vollständig „verloren“ gehen könnten, als auch Einzelne. Für die Frage der Staaten und wie mit dem Verlust des Territoriums umzugehen ist, könnten die Vereinten Nationen als Forum und als Mediator dienen. Für Einzelpersonen besteht grundsätzlich die Möglichkeit, auf die bestehenden Mechanismen zum Schutz von Menschenrechten zurückzugreifen, allerdings müssen diese sich erst noch auf die neuen Herausforderungen einstellen.

Dann standen Unternehmen im Blickpunkt. Laura Meichsner stellte am Beispiel ölfördernder Unternehmen die Frage, ob das Regime der Corporate Social Responsibility ein erfolgversprechender Ansatz sein könnte, multinationale Unternehmen zur Verantwortung zu ziehen. Sie untersuchte zunächst die teils massiven Menschenrechtsverletzungen und Umweltschäden, die die Ölindustrie, teilweise gemeinsam mit Standortstaaten, anrichtet und stellte dann den Global Compact und die UN Guiding Principles on Business and Human Rights als zwei Initiativen vor, die Unternehmen zur Verantwortlichkeit ziehen sollen. Beide scheinen hauptsächlich auf Versprechen, nicht aber unbedingt auf Erfüllung hinauszulaufen. Timeela Manandhar griff das bereits im Einführungsvortrag erwähnte Human Rights Due Diligence Framework wieder auf und diskutierte die Verpflichtungen von Staaten und Unternehmen. Sie warf die Frage auf, was unter den verschärften Verpflichtungen im Konfliktfall zu verstehen ist und wie sich diese Verpflichtungen in den Rahmen von humanitärem Völkerrecht und Völkerstrafrecht eingliedern.

Im letzten Panel standen schließlich die Ressourcen der Vereinten Nationen im Mittelpunkt. Luena Pimenta Ricardo präsentierte eine Fallstudie zur Transformation der Ressourcen der Vereinten Nationen in Angola vom Konfliktmanagement hin zur Stärkung der lokalen Gemeinschaften. Als Antwort auf den der Dekolonialisierung folgenden Bürgerkrieg wurden verschiedene UN-Missionen mit über die Jahre unterschiedlichen Aufgaben in Angola etabliert, die eher geringen Einfluss auf die Lage hatten. Nach Schluss des Friedensabkommens verschob sich der Fokus hin zu Wiederaufbau und Entwicklung, insbesondere auf Ebene der lokalen Gemeinschaften. Hier zeigt sich ein lohnender Ressourceneinsatz, der positive Folgen für die Bevölkerung hat. Gerald Ahabwe stellte die Schwierigkeiten dar, die sich aus Ressourcenmangel und Ungleichheit für Uganda in der Realisierung des Menschenrechts auf Wasser und Hygiene im Hinblick auf das Leave No One Behind Principle ergeben. Er analysierte den menschenrechtlichen Hintergrund und präsentierte eine Studie unter den hauptverantwortlichen staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren sowie betroffenen Gruppen und Gemeinschaften. Während es durchaus erhebliche Anstrengungen zur Realisierung gibt, fehlt an vielen Stellen an Wissen und Methoden, Wasser und Hygiene auch für Arme und marginalisierte Gruppen zugänglich zu machen. Henrike Roth stellte abschließend eine theoretische Erklärung für Entwicklung basierend auf den Faktoren Wirtschaftswachstum, Armut und Globalisierung vor. Die Beseitigung von Armut und Schaffung guter Arbeitsbedingungen sind zwei der Ziele für eine nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen. Während Erfolge im Bereich der Armutsbekämpfung zu verkünden sind, findet sich immer noch ein großer Teil der Weltbevölkerung in prekären Arbeitsverhältnissen wieder, die nicht vor Armut schützen. Die Corona-Pandemie droht zudem, den Trend umzukehren. Wirtschaftswachstum kann in Entwicklungs- und Schwellenländern den formalen Arbeitsmarkt stärken und so Menschen aus der Armut befreien. Welchen Einfluss wirtschaftsfördernde Maßnahmen in einzelnen Staaten und Handelsabkommen international haben, soll weiter untersucht werden.

Die interessanten und intensiven Diskussionen aus einer Vielzahl von Blickwinkeln, geprägt durch unterschiedliche Disziplinen, eröffneten allen Teilnehmer*innen immer wieder neue Perspektiven und zeigten auch den jeweiligen Autor*innen spannende Folgefragen ihrer bisherigen Arbeit auf. Die Zusammenarbeit zwischen den Autor*innen, den die Papers vorstellenden Diskutant*innen und allen weiteren Teilnehmer*innen war (nicht zuletzt durch den hervorragenden Rahmen, den die Ruhr-Universität Bochum trotz aller pandemiebedingten Schwierigkeiten bot) eine Bereicherung für alle.

Tagungsort für das Forschungskolloquium 2020 gesucht

Call for Proposals

Tagungsort für das Forschungskolloquium 2020 gesucht
Holt das 10. UN-Forschungskolloquium der AG Junge UN-Forschung in Eure Stadt und entwickelt gemeinsam mit uns den inhaltlichen und organisatorischen Rahmen für das Forschungskolloquium 2020! Die Veranstaltung ist betont informell, so dass sich der organisatorische Aufwand in Grenzen hält. Den eigentlichen Call for Papers entwickeln wir als AG mit dir/euch zusammen und kümmern uns gemeinsam um die organisatorische Vorbereitung.
Das UN-Forschungskolloquium bietet Promovierenden und Studierenden gleichermaßen eine Plattform für den wissenschaftlichen Austausch zum System der Vereinten Nationen. Es findet seit 2011 an wechselnden Orten statt, immer in Zusammenarbeit mit einem lokalen Forschungsinstitut oder einer Universität.
Bisherige Schwerpunkte waren etwa „UN-Forschung“ (Berlin, 2011), „Mensch und Individuum“ (Jena 2012), „Fragmentierung und Kohärenz“ (Bonn, 2014), „nichtstaatliche Akteure“ (Kiel, 2016), „postkoloniale Perspektiven“ (Hamburg 2017), Die Vereinten Nationen und ihre Partnerorganisationen (Jena 2018) sowie „Integrität und die Vereinten Nationen“ (Dresden 2019)
Die Teilnehmer*innen des Kolloquiums werden Konferenzpapiere zu einem Oberthema diskutieren, das sich an den Forschungsschwerpunkten des ausrichtenden Instituts orientiert.
Bei Interesse, schickt uns bitte eine kurze Nachricht mit folgenden Informationen:
• Existierende UN-relevante Forschungsschwerpunkte an eurer Uni/ eurem Institut;
• Mögliches Oberthema (passend zu existierenden Forschungsschwerpunkten mit klarem UN-Bezug und prinzipiell offen für einen interdisziplinären Zugang);
• Eure Motivation, das Kolloquium in eurer Stadt/Uni zu holen.
Schickt uns eure Bewerbung bis zum 16.02.2020 an info@uno-forschung..de
Eure AG Junge UN-Forschung in der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen e.V. (DGVN)

Call for Papers – 8. UN Forschungskolloquium

Call for Papers
8. UN Forschungskolloquium:
Die Vereinten Nationen und ihre Partnerorganisationen
23. bis 25. März 2018 an der Friedrich-Schiller-Universität Jena

Keynote: Dr. Manuela Scheuermann, Professur für Internationale Organisationen und Globalisierung, Friedrich-Schiller-Universität Jena

 

Deadline für Abstracts: 12.01.2018

Deadline für Papiere: 04.03.2018

Deadline für Anmeldungen: 10.03.2018

 

Das Kolloquium steht allen Interessent/-innen offen, auch ohne eigenen Beitrag.

 

Themenstellung:

Nach den Erfahrungen von Ruanda, Somalia und Jugoslawien sowie dem daran anschließenden Rückzug vieler westlicher Unterstützer in die Passivität wurde die Überforderung des UN-Systems im Umgang mit globalen Herausforderungen immer offensichtlicher. Schließlich standen die Vereinten Nationen Anfang der 2000er Jahre am Scheideweg zwischen Bankrott und Erneuerung (Annan 2003). Die Organisation wählte den Weg der Erneuerung und rückte den Bedarf nach partnerschaftlicher Zusammenarbeit stärker in den Fokus. Fortan wurde die Zusammenarbeit – im Sinne einer Aufgaben‐ und Lastenteilung – zwischen den Vereinten Nationen und anderen Organisationen im internationalen System propagiert.

Die gesamte Bandbreite der UN-Politikfelder, insbesondere die Bereiche Frieden und Sicherheit, Menschenrechte sowie Umwelt und Entwicklung, werden mehr und mehr partnerschaftlich organisiert und stehen im Fokus des kommenden Forschungskolloquiums. Im Sicherheitsbereich öffnet beispielsweise das in seiner Reichweite umstrittene Kapitel VIII der UN-Charta das Tor für gemeinsame Bemühungen, welches es anderen Organisationen erlaubt, mit den Vereinten Nationen in kollaborativen und kooperativen Austausch zu treten. Bereits im Jahr 2000 unternahm die Europäische Union den Versuch, sich durch eine Partnerschaft auf Augenhöhe als neuer sicherheitspolitischer Akteur und „Burden Sharer“ der Vereinten Nationen zu positionieren. Auch die NATO trat mit den Vereinten Nationen in Kontakt, um zumindest auf Ebene der Sekretariate stärker zusammenzuarbeiten. Eine der intensivsten Kooperationen besteht mit afrikanischen Regionalorganisationen wie der Afrikanischen Union, der Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrika und der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft. Diese Kooperationen umfassen sowohl politische als auch finanzielle Maßnahmen. Neben den sich stetig weiterentwickelnden Beziehungen mit Regionalorganisationen öffnen sich die Vereinten Nationen auch für nichtstaatliche Akteure wie Expert/-innengruppen und Nichtregierungsorganisationen (NGOs), die nicht nur auf den großen Weltkonferenzen und im Wirtschafts- und Sozialrat, sondern auch im Sicherheitsrat mehr und mehr Gehör finden. Entwicklungen wie die sogenannte Schutzverantwortung (R2P), aber auch die neuen Nachhaltigkeitsziele oder die Bemühungen der UN hinsichtlich des Gender Mainstreamings wären ohne den partnerschaftlichen Einfluss führender NGOs kaum vorstellbar.

Dabei stellt sich die Frage, wo die Vereinten Nationen mit ihrem Aufruf für mehr Kooperation nach über einem Jahrzehnt stehen und wie der partnerschaftliche Umgang mit globalen Herausforderungen konkret abläuft.

Mögliche Fragestellungen sind:

  • Wie ist die Kooperation zwischen den Vereinten Nationen und den jeweiligen Partnerorganisationen völkerrechtlich legitimiert?
  • Welche (zusätzlichen) Regeln und Normen haben sich im Laufe der Partnerschaften entwickelt?
  • Wie lässt sich die Entstehung dieser Partnerschaften erklären?
  • Wie funktioniert die Partnerschaft zwischen den Vereinten Nationen und anderen internationalen Organisationen sowie nicht-staatlichen Akteuren ?
  • Wie werden diese Partnerschaften in verschiedenen Politikfeldern ausgestaltet, kollaborativ, kooperativ oder gar rivalisierend?
  • Was können diese Partnerschaften leisten bzw. wo liegen ihre Grenzen?
  • In welchen Politikfeldern sind Partnerschaften besonders stark bzw. besonders schwach ausgeprägt?
  • Welchen Einfluss hat die zunehmende Einbindung nicht-staatlicher Akteure auf die Normgenese und die Einstufung als Völkerrechtssubjekt?
  • Wie lassen sich die unterschiedlichen Kooperationen hinsichtlich der Legitimationsfragen der Diskurse um Global Governance, Internationale Öffentliche Gewalt, Global Administrative Law u.a. bewerten?
  • Wie steht es um die Rechtsbindung, aber auch den faktischen Schutz, insbesondere bzgl. der Menschenrechte, bei der Übertragung staatlicher Aufgaben in den inter- und transnationalen Bereich?

 

Organisatorischer Rahmen des Kolloquiums:

Das 8. UN-Forschungskolloquium wird von der Arbeitsgemeinschaft Junge UN-Forschung in der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen und der Professur für Internationale Organisationen und Globalisierung organisiert. Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft kommen aus den Fachbereichen Völkerrecht, Politikwissenschaft und Soziologie. Das Kolloquium heißt Nachwuchswissenschaftler/-innen und Studierende aller Fachrichtungen willkommen. Es bietet die Gelegenheit, Forschungs- und Studienarbeiten mit Bezug zu den Vereinten Nationen vorzustellen und zu diskutieren. Als besonders anregend hat sich erwiesen, wenn die eingereichten Papiere von Diskutant/-innen vorgestellt werden und der jeweilige Beitrag im Anschluss intensiv diskutiert wird. Durch den interdisziplinären Blick werden gängige Definitionen hinterfragt und empirische Probleme neu betrachtet.

Weitere interessierte Teilnehmer/-innen können sich bis zum 10.03.2017 verbindlich auf unserer Webseite anmelden. Bei der Anmeldung geben Autor/-innen und Teilnehmer/-innen bitte an, ob sie die Rolle eines Diskutanten oder einer Diskutantin übernehmen möchten

Einen Teilnahmebeitrag gibt es nicht. DGVN-Mitglieder können einen Fahrtkostenzuschuss beantragen (bei der Anmeldung angeben).

Weitere Informationen und Anmeldeformular: www.uno-forschung.de

Bei Fragen stehen wir unter info(at)uno-forschung.de zur Verfügung.

 

CALL FOR PROPOSALS – Tagungsort für das Forschungskolloquium 2018 gesuch

Holt die Hauptveranstaltung der AG Junge UN-Forschung in Eure Stadt und entwickelt gemeinsam mit uns den inhaltlichen und organisatorischen Rahmen für das Forschungskolloquium 2018!

Die Veranstaltung ist betont informell, so dass sich der organisatorische Aufwand in Grenzen hält. Den eigentlichen Call for Papers entwickeln wir als AG mit dir/euch zusammen und kümmern uns gemeinsam um die organisatorische Vorbereitung.

Bisherige Schwerpunkte waren „UN-Forschung“ (Berlin, 2011), „Mensch und Individuum“ (Jena 2012), „Aufbruch und Beständigkeit“ (Dresden, 2013), „Fragmentierung und Kohärenz“ (Bonn, 2014), „Verantwortung und Verantwortlichkeit“ (Duisburg, 2015), „nichtstaatliche Akteure“ (Kiel, 2016) sowie „postkoloniale Perspektiven“ (Hamburg, 2017).

Das UN-Forschungskolloquium bietet Promovierenden und Studierenden gleichermaßen eine Plattform für den wissenschaftlichen Austausch zum System der Vereinten Nationen. Es findet seit 2011 an wechselnden Orten statt, immer in Zusammenarbeit mit einem lokalen Forschungsinstitut oder einer Universität.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Kolloquiums werden Konferenzpapiere zu einem Oberthema diskutieren, das sich an den Forschungsschwerpunkten des ausrichtenden Instituts orientiert.

Bei Interesse, schickt uns bitte eine kurze Nachricht mit folgenden Informationen:

–       Existierende UN-relevante Forschungsschwerpunkte an eurer Uni/ eurem Institut

–       Mögliches Oberthema (passend zu existierenden Forschungsschwerpunkten, mit klarem UN-Bezug und prinzipiell offen für einen interdisziplinären Zugang)

–       Eure Motivation, das Kolloquium in eure Stadt/Uni zu holen.

Schickt uns eure Bewerbung bis zum 30.10.2017 an info@uno-forschung.de

Weitere Informationen findet ihr auf unserer Website: http://www.uno-forschung.de.

Austragungsort und Oberthema für UN-Forschungskolloquium 2017 gesucht

Das UN-Forschungskolloquium bietet Promovierenden und Studierenden gleichermaßen eine Plattform für den wissenschaftlichen Austausch zum System der Vereinten Nationen. Es findet seit 2011 an wechselnden Orten statt, immer in Zusammenarbeit mit einem lokalen Forschungsinstitut oder einer Universität. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Kolloquiums werden Konferenzpapiere zu einem Oberthema diskutieren, das sich an den Forschungsschwerpunkten des ausrichtenden Instituts orientiert. Bisherige Schwerpunkte waren „UN-Forschung“ (Berlin, 2011), „Mensch und Individuum“ (Jena 2012), „Aufbruch und Beständigkeit“ (Dresden, 2013), „Fragmentierung und Kohärenz“ (Bonn, 2014), „Verantwortung und Verantwortlichkeit“ (Duisburg, 2015) sowie „nichtstaatliche Akteure“ (Kiel, 2016).

Holt die Hauptveranstaltung der AG Junge UN-Forschung in Eure Stadt und entwickelt gemeinsam mit uns den inhaltlichen und organisatorischen Rahmen für das Forschungskolloquium 2017!

Die Veranstaltung ist betont informell, so dass sich der organisatorische Aufwand in Grenzen hält. Den eigentlichen Call for Papers entwickeln wir als AG mit dir/euch zusammen und kümmern uns gemeinsam um die organisatorische Vorbereitung.

Bei Interesse, schickt uns bitte eine kurze Nachricht mit folgenden Informationen:

  • Existierende UN-relevante Forschungsschwerpunkte an eurer Uni/ eurem Institut
  • Mögliches Oberthema (passend zu existierenden Forschungsschwerpunkten, mit klarem UN-Bezug und prinzipiell offen für einen interdisziplinären Zugang)
  • eure Motivation, das Kolloquium in eurer Stadt/Uni zu holen.

Dieser Call for Proposals als pdf.

Wir freuen uns auf eure Nachricht! Bitte schickt sie bis zum 30.6.2016 an info@uno-forschung.de . Weitere Informationen sowie die Dokumentationen der vergangenen UN-Forschungskolloquien findet ihr auf unserer Website: http://www.uno-forschung.de.

4. UN-Forschungskolloquium

Fragmentierung und Kohärenz im System der Vereinten Nationen – zwei Seiten einer Medaille?

Vom 9. bis 11. Mai 2014 fand das 4. UN-Forschungskolloquium in Bonn unter dem Oberthema Fragmentierung und Kohärenz im System der Vereinten Nationenin Kooperation mit dem Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE) statt. Dieser Themenwahl lag die Beobachtung zu Grunde, dass sich die Global Governance-Architektur hinsichtlich ihrer Normen, der beteiligten Institutionen und Akteure sowie der politischen Ziele zunehmend ausdifferenziert. 

Im Kolloquium diskutierten mehr als fünfundzwanzig Teilnehmer_innen aus den unterschiedlichsten Fachrichtungen die Ursachen, Effekte und politischen sowie normativen Implikationen, die aus Kohärenzbemühungen und Fragmentierungsprozessen resultieren. Teil des Programms war zudem ein Besuch des UN-Campus in Bonn, eine Keynote Speech von Dr. Stephan Klingebiel, Leiter der Abteilung bi- und multilaterale Entwicklungspolitik des DIE, sowie die Verleihung des DGVN-Dissertationspreises mit Diskussionsrunde im Alten Rathaus Bonn.

Gruppenphoto FK2014

Kohärenz vs. Fragmentierung

In der disziplinübergreifenden Diskussion hat sich schnell gezeigt, dass die mit diesen Begriffen oft implizit verbundenen positiven und negativen Konnotationen so nicht Bestand haben. Im Gegenteil – das Zusammenwirken verschiedener Akteure und Institutionen zur Erreichung gemeinsamer, übergeordneter Ziele kann auch aus Prozessen der Differenzierung resultieren, in welchen die Sichtbarkeit der Akteure gestärkt wird. Fragmentierungs- und Kohärenzprozesse auf Ebene der Akteure, Normen und Ziele bedingen sich gegenseitig. Daher können Kohärenzdefizite sowohl Fragmentierung kennzeichnen, als auch als deren Ursache gelten. Als Reaktionen auf unzureichende Strukturen kann es sich bei Fragmentierungsprozessen  um Regelfindungsprozesse handeln.

Welche Konsequenzen resultieren aus Fragmentierung?

Die Konsequenzen dieser Prozesse sind ambivalent. Zum einen können sowohl Synergien als auch Kooperationen entstehen und Flexibilität befördert werden. Zum anderen ist damit ein Anstieg des Koordinationsbedarfs als auch der Transaktionskosten verbunden. Somit kann sowohl Inklusivität, im Sinne einer größeren Beteiligung von Akteuren, befördert werden, die aber gleichzeitig auch zu einer Marginalisierung anderer Akteure führen kann. Auf Ebene der Inhalte wird das Mainstreaming von Themen im Bereich der politischen Ziele der VN im Besonderen im Kontext der Post-2015 Debatte sichtbar – mit all seinen Herausforderungen.

Wie umgehen mit Fragmentierung?

Standardisierung, Umbau durch Aufgabenerweiterung, eine Stärkung des Subsidiaritätsprinzips oder Embracing Pluralism?– diese Möglichkeiten des Umgangs mit Fragmentierung konnten wir aus den Papieren extrahieren. Es wurde aber vor allem deutlich, dass es einer breiteren theoretischen Unterfütterung bedarf, um Fragmentierung und Kohärenz im System der Vereinten Nationen erfassen und analysieren zu können.

Die drei Tage der intensiven Diskussion haben nicht zu einer vollständigen Klärung oder umfassenden Definition beider Begriffe beigetragen. Dafür haben sie uns einen neuen Blick, neue Perspektiven und vor allem neue Zugänge zur ihrer weiteren Analyse eröffnet. Genau dieser reflektierte, interdisziplinärere Austausch ist es, der das UN-Forschungskolloquium zu einem besonderen und inspirierenden Ort für Nachwuchswissenschaftler_innen macht. Wir freuen uns auf das 5. UN-Forschungskolloquium im nächsten Jahr!