CfP Verlängerung

Call for Papers – Localizing the Sustainable Development Agenda: Städte als Schlüssel für eine nachhaltige Entwicklung?

Verlängerung!
Deadline für Abstracts: 20. Mai 2018 (150-300 Wörter)

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CfP – Localizing the Sustainable Development Agenda: Städte als Schlüssel für eine nachhaltige Entwicklung?

Call for Papers

Interdisziplinärer Workshop:

Localizing the Sustainable Development Agenda: Städte als Schlüssel für eine nachhaltige Entwicklung?

der 07. bis 08. September an der Universität Potsdam

Veranstalter: AG Junge UN-Forschung der DGVN in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Internationale Politik der Universität Potsdam
Deadline für Abstracts: 04. Mai 2018 (150-300 Wörter)
Abgabe für Papiere: 17. August 2018 (5000-8000 Wörter)

Anmeldeschluss ohne eigenen Beitrag: 05. August 2018 

Am 25. September 2015 verabschiedete die internationale Staatengemeinschaft auf dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung in New York die globale Nachhaltigkeitsagenda. Sie normiert für alle Staaten die Pflicht zur nachhaltigen Entwicklung und stellt eine gewaltige Herausforderung und gleichzeitig große Chance für die globale Umwelt- und Entwicklungspolitik dar. Angestrebt wird in der Agenda nichts weniger als die „Transformation unserer Welt“ zu einer gerechteren und friedlicheren Zukunft, die mithilfe von 17 Nachhaltigkeitszielen, den sog. Sustainable Development Goals (SDGs) sowie 169 detaillierten Unterzielen erreicht werden soll. Mit der globalen Nachhaltigkeitsagenda hat die internationale Staatengemeinschaft erstmals das in der Entwicklungspolitik lange vorherrschende Nord-Süd-Paradigma und die klassische Zweiteilung von Entwicklungs- und Industrieländern überwunden. Die Agenda fordert von jedem Mitgliedsstaat der Vereinten Nationen die Umsetzung der 17 SDGs im eigenen Land und in allen anderen Teilen der Welt. Damit stehen sowohl die Außen- als auch die Innenpolitiken der Nationalstaaten auf dem Prüfstand. Insbesondere verpflichtet sie die Staaten dazu, bei der Umsetzung der SDGs alle relevanten Interessengruppen einzubeziehen und fördert damit die partnerschaftliche Zusammenarbeit verschiedener gesellschaftlicher Akteure.

Eine zentrale Rolle bei der Erreichung der globalen Nachhaltigkeitsagenda kommt Städten zu, über die Hälfte der Weltbevölkerung lebt heute in städtischen Ballungsräumen.

In Städten werden etwa 70 Prozent der weltweit benötigten Energie verbraucht und zwischen 50 und 70 Prozent des globalen Treibhausgasausstoßes verursacht. Diese Zahlen, die in Zukunft weiter steigen werden, und der fortschreitende weltweite Urbanisierungstrend verdeutlichen, dass wir neue Ansätze für städtischen Klima- und Umweltschutz und Modelle für eine nachhaltige Stadtentwicklung brauchen. Gerade in Städten wird sich die Agenda und ihre Umsetzung besonders beweisen müssen. Städte in Entwicklungsländern und Schwellenländern stehen dabei vor besonderen Herausforderungen. Gleichzeitig gibt es hier enormes Potential, um neue Wege hin zu einer nachhaltigeren Entwicklung einzuschlagen. Vor diesem Hintergrund diskutieren wir auf diesem Workshop insbesondere die folgenden Fragen: Welche Ansätze für Klima- und Umweltschutz existieren in Städten? Welche Rahmenbedingungen müssen existieren, damit Stadtplanung und Stadtentwicklung nachhaltig geschehen können? Inwieweit lassen sich erfolgreiche lokale Klima- und Umweltschutzmaßnahmen von einem Kontext in einen anderen übertragen? Welchen Beitrag kann eine nachhaltige Stadtentwicklung leisten, um gerechte Lebensbedingungen in wachsenden Gesellschaften zu schaffen? Wie können gleichzeitig die Auswirkungen auf die Umwelt und insbesondere der globale Treibhausgasausstoß verringert werden? Auf welche Unterstützung sind Städte jeweils in Ländern mit unterschiedlichem technologischem und wirtschaftlichem Fortschritt angewiesen? Wie wirken transnationale Städtenetzwerke und bilaterale Städtepartnerschaften?

Welche Rolle spielen internationale Organisationen und Programme, wie die Weltbank, das Programm der Vereinten Nationen für menschliche Siedlungen (UN-HABITAT) oder das Klima- Sekretariat der Vereinten Nationen für umwelt- und klimafreundliche lokale Politiken? Wir begrüßen Beiträge, die sich mit Fragen wie diesen auseinandersetzen. Darüber hinaus freuen wir uns über Beiträge die sich mit allgemeinen Fragen der Umsetzung der Nachhaltigkeitsagenda in Deutschland sowie der Rolle nicht-staatlicher Akteure, wie zivilgesellschaftliche Organisationen und private Unternehmen, im Rahmen der Nachhaltigkeitsagenda befassen.

Ablauf

Der zweitägige Workshop soll junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus allen Disziplinen mit erfahrenen Praktikern zusammenbringen und einen fächer-übergreifenden Dialog und Austausch ermöglichen. In verschiedenen thematisch ausgerichteten Panels werden Konferenzpapiere vorgestellt und gemeinsam mit Expertinnen und Experten aktuelle praktische Beispiele und Forschungsperspektiven diskutiert. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion kommen insbesondere Praktikerinnen und Praktiker zu Wort und stellen sich einer Debatte zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsagenda in Deutschland.

 

Beiträge

Die Konferenzpapiere können sowohl in deutscher als auch in englischer Sprache verfasst sein. Dabei können sie einen theoretischen Blickwinkel einnehmen oder einen empirischen Schwerpunkt haben. Selbstverständlich sind auch Beiträge willkommen, die konkrete Erfahrungen aus der Praxis und praktische Politikempfehlungen formulieren.

Interessierte Autor_innen melden sich bitte bis zum 04. Mai 2018 mit einem Abstract (150-300 Wörter) per Mail unter info[at]uno-forschung.de zu den angesprochenen Themen an. Die Frist für die Einreichung der fertigen Papiere ist der 17. August 2018. Eine Übernahme der Unterkunfts- und Reisekosten ist für Beitragende gewährleistet.

Weitere interessierte Teilnehmer_innen können sich bis zum 05. August 2018 verbindlich auf unserer Webseite anmelden.

Ein Teilnahmebeitrag wird nicht erhoben. DGVN-Mitglieder können hiervon unabhängig einen Fahrtkostenzuschuss beantragen.

Weitere Informationen und Anmeldeformular: www.uno-forschung.de Bei Fragen stehen wir euch auch unter info(at)uno-forschung.de zur Verfügung. 

Call for Papers – 8. UN Forschungskolloquium

Call for Papers
8. UN Forschungskolloquium:
Die Vereinten Nationen und ihre Partnerorganisationen
23. bis 25. März 2018 an der Friedrich-Schiller-Universität Jena

Keynote: Dr. Manuela Scheuermann, Professur für Internationale Organisationen und Globalisierung, Friedrich-Schiller-Universität Jena

 

Deadline für Abstracts: 12.01.2018

Deadline für Papiere: 04.03.2018

Deadline für Anmeldungen: 10.03.2018

 

Das Kolloquium steht allen Interessent/-innen offen, auch ohne eigenen Beitrag.

 

Themenstellung:

Nach den Erfahrungen von Ruanda, Somalia und Jugoslawien sowie dem daran anschließenden Rückzug vieler westlicher Unterstützer in die Passivität wurde die Überforderung des UN-Systems im Umgang mit globalen Herausforderungen immer offensichtlicher. Schließlich standen die Vereinten Nationen Anfang der 2000er Jahre am Scheideweg zwischen Bankrott und Erneuerung (Annan 2003). Die Organisation wählte den Weg der Erneuerung und rückte den Bedarf nach partnerschaftlicher Zusammenarbeit stärker in den Fokus. Fortan wurde die Zusammenarbeit – im Sinne einer Aufgaben‐ und Lastenteilung – zwischen den Vereinten Nationen und anderen Organisationen im internationalen System propagiert.

Die gesamte Bandbreite der UN-Politikfelder, insbesondere die Bereiche Frieden und Sicherheit, Menschenrechte sowie Umwelt und Entwicklung, werden mehr und mehr partnerschaftlich organisiert und stehen im Fokus des kommenden Forschungskolloquiums. Im Sicherheitsbereich öffnet beispielsweise das in seiner Reichweite umstrittene Kapitel VIII der UN-Charta das Tor für gemeinsame Bemühungen, welches es anderen Organisationen erlaubt, mit den Vereinten Nationen in kollaborativen und kooperativen Austausch zu treten. Bereits im Jahr 2000 unternahm die Europäische Union den Versuch, sich durch eine Partnerschaft auf Augenhöhe als neuer sicherheitspolitischer Akteur und „Burden Sharer“ der Vereinten Nationen zu positionieren. Auch die NATO trat mit den Vereinten Nationen in Kontakt, um zumindest auf Ebene der Sekretariate stärker zusammenzuarbeiten. Eine der intensivsten Kooperationen besteht mit afrikanischen Regionalorganisationen wie der Afrikanischen Union, der Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrika und der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft. Diese Kooperationen umfassen sowohl politische als auch finanzielle Maßnahmen. Neben den sich stetig weiterentwickelnden Beziehungen mit Regionalorganisationen öffnen sich die Vereinten Nationen auch für nichtstaatliche Akteure wie Expert/-innengruppen und Nichtregierungsorganisationen (NGOs), die nicht nur auf den großen Weltkonferenzen und im Wirtschafts- und Sozialrat, sondern auch im Sicherheitsrat mehr und mehr Gehör finden. Entwicklungen wie die sogenannte Schutzverantwortung (R2P), aber auch die neuen Nachhaltigkeitsziele oder die Bemühungen der UN hinsichtlich des Gender Mainstreamings wären ohne den partnerschaftlichen Einfluss führender NGOs kaum vorstellbar.

Dabei stellt sich die Frage, wo die Vereinten Nationen mit ihrem Aufruf für mehr Kooperation nach über einem Jahrzehnt stehen und wie der partnerschaftliche Umgang mit globalen Herausforderungen konkret abläuft.

Mögliche Fragestellungen sind:

  • Wie ist die Kooperation zwischen den Vereinten Nationen und den jeweiligen Partnerorganisationen völkerrechtlich legitimiert?
  • Welche (zusätzlichen) Regeln und Normen haben sich im Laufe der Partnerschaften entwickelt?
  • Wie lässt sich die Entstehung dieser Partnerschaften erklären?
  • Wie funktioniert die Partnerschaft zwischen den Vereinten Nationen und anderen internationalen Organisationen sowie nicht-staatlichen Akteuren ?
  • Wie werden diese Partnerschaften in verschiedenen Politikfeldern ausgestaltet, kollaborativ, kooperativ oder gar rivalisierend?
  • Was können diese Partnerschaften leisten bzw. wo liegen ihre Grenzen?
  • In welchen Politikfeldern sind Partnerschaften besonders stark bzw. besonders schwach ausgeprägt?
  • Welchen Einfluss hat die zunehmende Einbindung nicht-staatlicher Akteure auf die Normgenese und die Einstufung als Völkerrechtssubjekt?
  • Wie lassen sich die unterschiedlichen Kooperationen hinsichtlich der Legitimationsfragen der Diskurse um Global Governance, Internationale Öffentliche Gewalt, Global Administrative Law u.a. bewerten?
  • Wie steht es um die Rechtsbindung, aber auch den faktischen Schutz, insbesondere bzgl. der Menschenrechte, bei der Übertragung staatlicher Aufgaben in den inter- und transnationalen Bereich?

 

Organisatorischer Rahmen des Kolloquiums:

Das 8. UN-Forschungskolloquium wird von der Arbeitsgemeinschaft Junge UN-Forschung in der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen und der Professur für Internationale Organisationen und Globalisierung organisiert. Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft kommen aus den Fachbereichen Völkerrecht, Politikwissenschaft und Soziologie. Das Kolloquium heißt Nachwuchswissenschaftler/-innen und Studierende aller Fachrichtungen willkommen. Es bietet die Gelegenheit, Forschungs- und Studienarbeiten mit Bezug zu den Vereinten Nationen vorzustellen und zu diskutieren. Als besonders anregend hat sich erwiesen, wenn die eingereichten Papiere von Diskutant/-innen vorgestellt werden und der jeweilige Beitrag im Anschluss intensiv diskutiert wird. Durch den interdisziplinären Blick werden gängige Definitionen hinterfragt und empirische Probleme neu betrachtet.

Weitere interessierte Teilnehmer/-innen können sich bis zum 10.03.2017 verbindlich auf unserer Webseite anmelden. Bei der Anmeldung geben Autor/-innen und Teilnehmer/-innen bitte an, ob sie die Rolle eines Diskutanten oder einer Diskutantin übernehmen möchten

Einen Teilnahmebeitrag gibt es nicht. DGVN-Mitglieder können einen Fahrtkostenzuschuss beantragen (bei der Anmeldung angeben).

Weitere Informationen und Anmeldeformular: www.uno-forschung.de

Bei Fragen stehen wir unter info(at)uno-forschung.de zur Verfügung.

 

Tagungsbericht: Kulturgüterschutz im System der Vereinten Nationen

 

von Felix Würkert und Flora Tietgen

Vom 8.-10. September 2017 fand an der Leibniz-Universität Hannover der interdisziplinäre Workshop „Kulturgüterschutz im System der Vereinten Nationen“ der AG Junge UN-Forschung in der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen statt. Vier Experte*innen diskutierten mit acht Nachwuchswissenschaftler*innen und einer Gruppe aus ca. 25 Teilnehmer*innen aus Deutschland, Schweiz, Österreich, Frankreich und Italien. Dabei lag die Organisation der Tagung in den Händen von Vincent Widdig.

Kulturgüterschutz verbindet in vielfältiger Weise Fragen der Praxis mit einem zutiefst theoretischen Fundament. Die Frage, was warum schützenswert und schutzbedürftig ist, begleitete den Workshop über die gesamten drei Tage. Dabei spricht es für die Vielfalt der einbezogenen Perspektiven, dass hierzu trotz eines regen Austauschs keine abschließende Antwort, sondern letztendlich ein Mehr an Fragen gab.

Eingeleitet hatte die Tagung, nach einigen freundlichen Worten der Begrüßung durch die Gastgeber*innen, Oberst Dr. Michael Pesendorfer mit einem Key-Note-Vortrag. Aufgrund seiner umfangreichen Erfahrung als Rechtsberater der Österreichischen Streitkräfte und seiner Tätigkeit als Militärattaché in Sarajewo an der Österreichischen Botschaft, konnte er aus internationalen Einsätzen auf dem Balkan, der Ausbildung und Beratung aber auch von den rechtlichen und außerrechtlichen Grundlagen berichten. Er machte deutlich, dass Kulturgüterschutz im bewaffneten Konflikt nicht erst dort relevant wird, wo – wie im Norden Malis, der Brücke von Mostar oder im Ersten Weltkrieg in Leuven – Kulturgüter des vermeintlichen Gegners gezielt angegriffen und zerstört werden. Vielmehr stelle sich die Frage des Kulturgüterschutzes von der Auswahl des Standorts für mögliche Stationierungen bis hin zu logistischen Fragen wie der Befüllung von Sandsäcken.

Am darauf folgenden Tag zeigte sich die Vielfalt des Tagungsthemas erneut in den Vorträgen, die vom digitalen kulturellen Erbe, über die Rolle der UN-Sonderberichterstatter bis hin zum Listensystem als Handlungsform des Kulturgüterschutzes eine enorme Spannbreite aufwiesen. Daran anschließend fand ein Expert*innenpannel statt, in welchem die unterschiedlichen Praxisfelder des Kulturgüterschutzes erörtert wurden. So sprach Prof. Dr. Markus Hilgert als Direktor des Vorderasiatischen Museums über die Rolle von „capacity building“ und Forschung, während Dr. Markus Swittalek, Kulturgüterschutzoffizier des Österreichischen Bundesheeres über die militärischen Kulturgüterschutzstrategien Österreichs und der Arbeit der Organisation Blue Shield berichtete, dessen deutscher Präsident in der Person von Herrn Prof. Hilgert ebenfalls vor Ort seine Expertise beisteuern konnte. Dabei zeigte sich im Dialog, dass in Deutschland ein vergleichbares Konzept flächendeckender Triage – der Auswahl und Priorisierung zu „rettender“ Kulturgüter – nicht existiert, sondern diese Vorbereitung auf den Notfall den einzelnen Institutionen selbst überlassen ist. Vervollständigt wurde das Expert*innenpanel von Dr. Mara Wantuch-Thole, die aus anwaltlicher Perspektive zur Durchsetzbarkeit von Ansprüchen an illegal transferierten Kulturgütern referierte und damit in eine intensive Debatte zum neuen deutschen Kulturgüterschutzgesetz einleitete. Dabei kam häufiger die, wenn auch begrifflich problematische Frage auf, in wie fern es sich beim sog. „grauen“ Kunstmarkt um „Kavaliersdelikte“ handelt. Daran wurde höchst anschaulich das Spannungsfeld verdeutlicht, in welchem Kulturgüter zugleich Schutz- und Wirtschaftsgut sind. Dass zudem die Diskussion über den (post-)kolonialen Ursprung vieler Objekte in deutschen Sammlungen noch am Anfang steht, zeigte der Umstand, dass die (selbst-)kritischsten Wortbeiträge hierzu von Prof. Hilgert kamen, dessen Haus hiervon wohl weit mehr betroffen wäre, als das Betätigungsfeld der restlichen Teilnehmer*innen.

Seinen Abschluss fand der dreitägige Workshop mit Vorträgen, welche die Rolle des Kulturgüterschutzes in bewaffneten Konflikten in den Mittelpunkt rückten. Auch hierbei zeigte sich eine erfreuliche Bandbreite die von der italienischen Initiative der „Blue Helmets for Culture“, über die Präsenz des Kulturgüterschutzes in Militärhandbüchern bis hin zum Verhältnis von Terrorismus und Kulturgüterschutz einerseits und der Rolle der UNESCO bei der Bekämpfung der Terrorismusfinanzierung andererseits eine Vielzahl an Themen abdeckte. Nach dem Ende des Workshops verbleibt die Erkenntnis, wie viel sich hinter dem Begriff des Kulturgüterschutzes verbirgt und der Wunsch nach einer Fortsetzung der inhaltlichen Auseinandersetzung.

CALL FOR PROPOSALS – Tagungsort für das Forschungskolloquium 2018 gesuch

Holt die Hauptveranstaltung der AG Junge UN-Forschung in Eure Stadt und entwickelt gemeinsam mit uns den inhaltlichen und organisatorischen Rahmen für das Forschungskolloquium 2018!

Die Veranstaltung ist betont informell, so dass sich der organisatorische Aufwand in Grenzen hält. Den eigentlichen Call for Papers entwickeln wir als AG mit dir/euch zusammen und kümmern uns gemeinsam um die organisatorische Vorbereitung.

Bisherige Schwerpunkte waren „UN-Forschung“ (Berlin, 2011), „Mensch und Individuum“ (Jena 2012), „Aufbruch und Beständigkeit“ (Dresden, 2013), „Fragmentierung und Kohärenz“ (Bonn, 2014), „Verantwortung und Verantwortlichkeit“ (Duisburg, 2015), „nichtstaatliche Akteure“ (Kiel, 2016) sowie „postkoloniale Perspektiven“ (Hamburg, 2017).

Das UN-Forschungskolloquium bietet Promovierenden und Studierenden gleichermaßen eine Plattform für den wissenschaftlichen Austausch zum System der Vereinten Nationen. Es findet seit 2011 an wechselnden Orten statt, immer in Zusammenarbeit mit einem lokalen Forschungsinstitut oder einer Universität.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Kolloquiums werden Konferenzpapiere zu einem Oberthema diskutieren, das sich an den Forschungsschwerpunkten des ausrichtenden Instituts orientiert.

Bei Interesse, schickt uns bitte eine kurze Nachricht mit folgenden Informationen:

–       Existierende UN-relevante Forschungsschwerpunkte an eurer Uni/ eurem Institut

–       Mögliches Oberthema (passend zu existierenden Forschungsschwerpunkten, mit klarem UN-Bezug und prinzipiell offen für einen interdisziplinären Zugang)

–       Eure Motivation, das Kolloquium in eure Stadt/Uni zu holen.

Schickt uns eure Bewerbung bis zum 30.10.2017 an info@uno-forschung.de

Weitere Informationen findet ihr auf unserer Website: http://www.uno-forschung.de.

ACUNS zu Besuch in Seoul

AM17

von Albert Denk

Die Jahrestagung des Academic Council of the United Nations System (ACUNS) fand dieses Jahr an der Sookmyung Women’s University in Seoul statt. Rund 100 Wissenschaftler*innen versammelten sich unter dem Motto Revitalizing the United Nations for Human Rights, Peace and Development zwischen dem 15. und 17. Juni 2017 in der südkoreanischen Metropole. In der 30-jährigen Historie wurde zum ersten Mal eine ACUNS Jahrestagung auf dem asiatischen Kontinent ausgetragen. Damit wurde ein erster Schritt unternommen, die in Nordamerika entstandene Organisation, für weitere Weltregionen zu öffnen.

Lorraine Elliott stellte zu Beginn der Veranstaltung die Verknüpfung zwischen humanitären sowie entwicklungspolitischen Ansätzen in den Mittelpunkt der Arbeit von ACUNS. Zudem betonte sie die Förderung junger Akademiker*innen und verwies auf den ACUNS Dissertation Award, durch den Wissenschaftler*innen im letzten Jahr ihrer Dissertation gefördert werden können. Han Sung-Joo setzte sich in seiner Keynote-Rede für ein Update internationaler Beziehungen ein, sodass sich die Vereinten Nationen gegen einen ethnisch-geprägten Nationalismus und populistische Entwicklungen positionieren müssen. Sung-Joo sowie viele seine Nachredner*innen kritisierten den Ausstieg der gegenwärtigen US-Regierung aus dem Pariser Klimaabkommen.

Toshiya Hoshino, Sung-han Kim und Xuexian Wang diskutierten aus verschiedenen Perspektiven über die Zukunft der koreanischen Halbinsel. Im Fokus der Debatte stand die zunehmende Bedrohung seitens Nordkoreas und der damit verbundenen Testung nuklearer Waffen. Mehrfach wurde dabei die Bedeutung der Rolle Chinas, der USA und Russlands genannt.

Margaret P. Karns hielt die John W. Holmes Memorial Lecture mit Blick auf die Errungenschaften und Schwierigkeiten von ACUNS. Positiv hob sie die Fachzeitschrift Global Governance hervor, während sie die Unterrepräsentation von Frauen und des „globalen Südens“ in der Organisation kritisierte. Zudem beschrieb sie die Auswirkungen nationaler Politik auf internationale Organisationen als zu wenig erforscht.

Stephen Browne, Modesto Seara Vazquez und Haibin Zhang diskutierten im Anschluss über die Agenda 2030. Während Browne eine äußerst kritische Analyse präsentierte, zeigte Seara Vazquez im Bereich Bildung ein erfolgreiches Beispiel aus Mexiko. Zhang formulierte einen Wandel der globalen Ordnung mit einer stärkeren Führungsrolle Chinas nach dem US-Ausstieg aus dem Klimaabkommen.

Das letzte Plenum war mit Joon Oh, Karin Abbor-Svensson, Francesco Mancini und Sebastian von Einsiedel erneut prominent besetzt. Mit Blick auf die Wahl des neuen Generalsekretärs António Guterres wurden zukünftige Anforderungen an die Vereinten Nationen diskutiert. Thematisiert wurde diesbezüglich die Notwendigkeit einer UN-Reform, die Vereinbarkeit der verschiedenen Schwerpunktthemen, die Stärkung der Menschenrechte sowie die schwierige Umsetzung von UN-Politiken auf nationaler Ebene wie beispielsweise im Bereich Geschlechtergerechtigkeit.

Neben den Diskussionen auf dem Podium rundeten 39 Workshops mit zahlreichen Präsentationen das Programm des diesjährigen Treffens ab. Die nächste ACUNS-Jahrestagung wird in Europa stattfinden. Zwischen dem 12. und 14. Juli 2018 richtet die Libera Università Internazionale degli Studi Sociali (LUISS) das Treffen in Rom aus.

Postkoloniale Perspektiven auf die Vereinten Nationen – verschiedenste Blickwinkel

170312 FoKo Hamburg 040

von Wiebke Staff

Vom 10.-12. März 2017 fand das 7. jährliche Forschungskolloquium der AG Junge UN-Forschung in der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen an der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr in Hamburg statt. Rund 25 Teilnehmer*innen diskutierten zehn Papiere, die aus verschiedenen Perspektiven postkolonial auf die Vereinten Nationen schauten.

Postkoloniale Aspekte finden sich im gesamten internationalen Bereich, insbesondere auch im System der Vereinten Nationen an vielen Stellen: Institutionen blicken oft von außen auf ehemalige Kolonien, ohne die betroffenen Staaten und Menschen mit einzubeziehen, die formale Besetzung wesentlicher Gremien, wie des Sicherheitsrates, ist inhärent kolonial geprägt. Dies machte auch der Einführungsvortrag von Prof. Dr. Sigrid Boysen, Inhaberin der Professur für Öffentliches Recht, insbesondere Völker- und Europarecht, an der Helmut-Schmidt-Universität deutlich. Die Idee der souveränen Gleichheit der Staaten bleibt insbesondere im postkolonialen Völkerrecht eine Idee, ein Konzept, dem in der Realität die massive Ungleichheit der Staaten entgegensteht. Während in der Generalversammlung der Vereinten Nationen insofern mit der Maxime „one State, one vote“ noch eine relative Gleichheit herrscht, ändert sich dies bereits deutlich mit Blick auf andere Gremien und erst recht, wenn man den theoretischen Blickwinkel verlässt und auf die tatsächlichen Verhältnisse der Staaten untereinander schaut. Hier zeigt sich deutlich, wie koloniale Strukturen als Postkolonialismus weiterexistieren.

Mit dem Begriff und Ansatz des Postkolonialismus, insbesondere in den Internationalen Beziehungen, beschäftigte sich dann intensiv der Einstiegsvortrag von Jan Wilkens (Universität Hamburg). Er betonte den bifokalen Ansatz, nachdem zuerst eine empirische Analyse stattfindet, aus der heraus dann normative Strategien entwickelt werden. Anhand des Beispiels der westasiatischen und nordafrikanischen Staaten zeigte er auf, wie Kolonialismus und Postkolonialismus auf diese Region eingewirkt haben und noch einwirken und welche eindrücklichen Folgen sich heute zeigen. Daraus entwickelten sich verschiedenste Problemstellungen, von Universalismus als Postkolonialismus über Auswirkungen auf postkoloniale Ansätze bis hin zu der Frage, wie die Vereinten Nationen mit konkreten postkolonialen Situationen umgehen.

Es zeigte sich, dass innerhalb des Systems der Vereinten Nationen nach wie vor sowohl bei der Teilhabe von Staaten als auch bei der Teilhabe von Menschen eine Benachteiligung der ehemaligen Kolonien vorliegt, die – in bewusster oder unbewusster Weise – aufrechterhalten wird. In bestimmten Zusammenhängen treten die Vereinten Nationen auch selbst als (post-)kolonialer Akteur auf oder werden zumindest als solcher wahrgenommen. Auch die aktive Teilnahme von Staaten oder internationalen Organisationen des globalen Südens an der Arbeit der Vereinten Nationen stellt sich teilweise als (post-)koloniales Verhältnis dar. Deutlich wurde dies auch an verschiedenen Einzelthemen wie dem menschenrechtlichen Relativismus oder dem Prinzip der dauerhaften Souveränität über natürliche Ressourcen.

In den, wie schon in den letzten Jahren nicht von den Autor*innen sondern von Discussants vorgestellten, einzelnen Papieren und noch stärker in der Diskussion zeichneten sich die unterschiedlichsten Perspektiven auf Postkolonialismus und die Vereinten Nationen ab. Hier kam dem Forschungskolloquium auch seine Interdisziplinarität zu Gute: Während der Großteil der Teilnehmer*innen, wie üblich, aus den Bereichen Politik- und Rechtswissenschaft stammte, war in diesem Jahr zum ersten Mal die Anthropologie vertreten und in verstärktem Maße auch die Soziologie. Die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Disziplinen barg zwar immer wieder auch Schwierigkeiten in der Kommunikation, eröffnete aber den Teilnehmer*innen viele neue Perspektiven.

Auch das Rahmenprogramm leistete in diesem Jahr einen wichtigen Beitrag zu inhaltlichen Diskussionen: Ein Stadtrundgang unter dem Thema „Die Hafencity zwischen kosmopolitischem Flair und kolonialen Echos“ zeigte nicht nur den neusten Hamburger Stadtteil mitten in der Stadt sondern zeigte kritisch die Hamburger koloniale Geschichte und auch den heutigen Umgang mit dieser Geschichte auf. Wir danken der Helmut-Schmidt-Universität herzlich für ihre Gastfreundlichkeit und freuen uns schon auf das 8. Forschungskolloquium im nächsten Jahr.